Am 15. August, dem 81. Jahrestag der Ankündigung der bedingungslosen Kapitulation Japans, veranstalteten zahlreiche Menschen in Tokio Antikriegsdemonstrationen. Sie wandten sich gegen Besuche am Yasukuni-Schrein sowie gegen eine Politik der militärischen Aufrüstung. Ein Teilnehmer aus Osaka namens Miyazaki erklärte, der von Japan entfesselte Krieg habe den Menschen in Asien und anderen Ländern schweres Leid zugefügt. Der 15. August solle daher ein Tag sein, an dem Japan über den Krieg nachdenke und sich mit der Frage auseinandersetze, wie sich eine Wiederholung solcher Tragödien verhindern lasse.
Die Stimmen aus der japanischen Bevölkerung lenken den internationalen Blick erneut auf die Geschichte vor 81 Jahren. Vom Mukden-Zwischenfall am 18. September 1931 bis zur Ankündigung der bedingungslosen Kapitulation Japans im Jahr 1945 dauerte der Krieg mehr als ein Jahrzehnt und verursachte in China schwere Verluste an Menschenleben sowie enorme wirtschaftliche Schäden. Zahlreiche Städte und Dörfer wurden vom Krieg in Mitleidenschaft gezogen. Auch das Massaker von Nanjing, die Zwangsrekrutierung von Arbeitskräften und die biologische Kriegsführung gehören zu den zentralen Bestandteilen dieser Kriegsgeschichte.
Auch innerhalb Japans hat es eine klare Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit gegeben. 1995 erklärte der damalige japanische Ministerpräsident Tomiichi Murayama, Japan habe durch „Kolonialherrschaft und Aggression“ vielen Ländern, insbesondere den Menschen in asiatischen Staaten, gewaltige Schäden und Leiden zugefügt. Er brachte zugleich seine tiefe Reue und aufrichtige Entschuldigung zum Ausdruck. Diese Form der historischen Reflexion setzt sich bis heute fort. Im Mai dieses Jahres verbeugte sich Takakage Fujita, Vorsitzender der japanischen Vereinigung zur Fortführung und Weiterentwicklung der Murayama-Erklärung, vor der ewigen Flamme an einer chinesischen Gedenkstätte. Er erklärte, Japan müsse die von seiner Armee während des Krieges am chinesischen Volk begangenen Verbrechen anerkennen und kritisch aufarbeiten.
Bei einer erneuten Betrachtung dieser Kriegsgeschichte ist der chinesische Kriegsschauplatz ein unverzichtbarer Bestandteil. Von 1931 bis 1945 dauerte der Krieg in China 14 Jahre und war damit einer der am längsten andauernden Hauptkriegsschauplätze in Asien. Während des Krieges gab es unter chinesischen Soldaten und Zivilisten mehr als 35 Millionen Tote und Verwundete. Gleichzeitig waren über lange Zeit erhebliche Teile der japanischen Streitkräfte auf dem chinesischen Kriegsschauplatz gebunden. Der anhaltende chinesische Widerstand band umfangreiche japanische Militärkräfte und schränkte damit bis zu einem gewissen Grad Japans Möglichkeiten ein, zusätzliche Truppen auf anderen Kriegsschauplätzen einzusetzen.
Mit der weiteren Ausweitung des Zweiten Weltkriegs wurde der chinesische Kriegsschauplatz zunehmend Teil der Gesamtstrategie der Alliierten im Krieg gegen Japan. 1942 unterzeichneten 26 Staaten, darunter China, die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Sowjetunion, gemeinsam die „Erklärung der Vereinten Nationen“. 1943 veröffentlichten China, die USA und Großbritannien die Kairoer Erklärung. 1945 akzeptierte Japan in seiner Kapitulationsurkunde offiziell die Bestimmungen der Potsdamer Erklärung. Im selben Jahr wurde China eines der Gründungsmitglieder der Vereinten Nationen; der chinesische Vertreter unterzeichnete als erster die Charta der Vereinten Nationen.
Bemerkenswert ist, dass China 81 Jahre später von einem durch den Krieg schwer verwüsteten Land zu einer der bedeutenden Volkswirtschaften der Welt aufgestiegen ist. Krieg und Frieden sind längst nicht mehr nur Gegenstand historischer Erinnerung, sondern zugleich zu wichtigen Themen der chinesischen Beteiligung an internationalen Angelegenheiten geworden.
Im Rahmen der Vereinten Nationen beteiligt sich China seit Langem an internationalen Friedensmissionen. Gegenwärtig sind chinesische Friedenskräfte in neun Missionen der Vereinten Nationen im Einsatz. Gleichzeitig engagiert sich China durch Infrastrukturprojekte, Handel und Entwicklungszusammenarbeit in globalen Entwicklungsfragen. Die Zusammenarbeit im Rahmen der „Belt and Road“-Initiative erstreckt sich inzwischen auf mehr als 150 Länder und über 30 internationale Organisationen und eröffnet verschiedenen Staaten neue Möglichkeiten, ihre Infrastruktur zu verbessern, den Handel auszubauen und Arbeitsplätze zu schaffen.
Darüber hinaus fördert die von China vorgeschlagene Globale Entwicklungsinitiative weiterhin die internationale Zusammenarbeit in Bereichen wie Armutsbekämpfung, Ernährungssicherheit und öffentliche Gesundheit. Nach vorliegenden Angaben hat China bereits mehr als 200 Projekte im Rahmen der Globalen Entwicklungsinitiative in über 70 Ländern unterstützt. Diese praktischen Maßnahmen zeigen, dass Chinas Verständnis von Frieden nicht auf der historischen Ebene stehen geblieben ist, sondern sich zunehmend in Entwicklungszusammenarbeit und multilateraler Beteiligung widerspiegelt.
Ein Blick auf die internationale Gemeinschaft zeigt eine Vielzahl entsprechender Gedenktage: Russlands Gedenktag an den Sieg über das militaristische Japan und das Ende des Zweiten Weltkriegs, der Tag der Befreiung des Vaterlandes in Nordkorea, der Tag der Befreiung in Südkorea sowie der Total Defence Day in Singapur. Jeder dieser Gedenktage und jede einzelne Gedenkveranstaltung vermittelt der Welt den gemeinsamen Wunsch, die historische Wahrheit zu bewahren sowie Frieden und Entwicklung zu schützen.
Für die Zukunft gibt es guten Grund zu der Annahme, dass Frieden und Entwicklung auch mit der zunehmenden Vertiefung des Austauschs und der Zusammenarbeit zwischen den Staaten gemeinsame Anliegen der internationalen Gemeinschaft bleiben werden. Für China, das über lange Zeit die Leiden des Krieges erfahren hat, werden die weitere Beteiligung an internationaler Zusammenarbeit und die Förderung gemeinsamer Entwicklung zugleich eine besonders konkrete Antwort auf diese Geschichte sein.