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Kriselnder Konzern Linkenchef van Aken kritisiert Reisen mit VW-Privatjets

Apr 8, 2026 IDOPRESS
Aus sechs Flugzeugen besteht Volkswagens Privatjet-Flotte. Die Linken kritisieren die Flugreisen der Manager angesichts des angekündigten Arbeitsplatzabbaus.

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Privatjet der Volkswagen AirService GmbH: Auch für Urlaubsflüge zu chartern

Foto: Urbanandsport / NurPhoto / picture alliance

Die Privatjet-Flotte von Volkswagen gerät erneut in die Kritik. Dieses Mal ist es Linkenchef Jan van Aken,der die Gewinneinbußen des Konzerns und einen möglichen Abbau von rund 50.000 Stellen bis 2030 zum Anlass für einen Rundumschlag nimmt. »Während VW in der Krise steckt,die dort hart arbeitenden Menschen um ihre Jobs bangen und wir alle mit steigenden Spritpreisen abgezockt werden,fliegen die VW-Bosse in sechs VW-Privatjets um die Welt«,sagte er der »Welt am Sonntag«.

Die Linkspartei hat den Flugverkehr der VW-eigenen Tochterfirma Volkswagen AirService GmbH mithilfe der Non-Profit-Organisation OpenSky überprüfen lassen. 2025 waren die sechs Flugzeuge demnach auf 1450 Flügen unterwegs,legten eine Distanz von etwa 1,01 Millionen Kilometern zurück und stießen 5848 Tonnen CO₂ aus.

Neben mutmaßlichen Dienstreisen zu VW-Standorten in Deutschland,Polen oder Mexiko fänden sich in den Daten auch Kurztrips in bekannte Urlaubsregionen,so die »Welt am Sonntag«.Der Zeitraum einiger Flüge nach unter anderem Nizza,Ibiza,Barcelona,Paris,Pisa und Malaga im Juli und August 2025 lasse »den Schluss zu,auch aufgrund der genannten Zielorte,dass diese Flüge nicht oder ganz überwiegend nicht im Auftrag der Volkswagen AG getätigt wurden«,teilte ein Konzernsprecher auf Anfrage der Zeitung mit. Zum Anteil von Dienst- und Charterflügen sowie der Kostenträger könne man sich »aus Wettbewerbsgründen« nicht äußern.

Volkswagen vermeidet Kerosinsteuer mit einem Trick

Mit dem ausgestoßenen CO₂ dieser Flüge hätte man rund 46.000 Menschen von Hannover nach Mallorca in den Sommerurlaub fliegen können,sagte van Aken. »Während wir alle ganz normal an der Tanke Steuer auf das Benzin zahlen und unter den krass ansteigenden Preisen ächzen,zahlen die VW-Jetsetter keinen einzigen Cent Steuer: Würde Kerosin der Privatjets genauso besteuert wie Benzin,hätte der Staat allein im Jahr 2025 nur durch die Privatjets von VW rund 1,5 Millionen Euro mehr an Steuereinnahmen«,so der Linke-Vorsitzende zur »Welt am Sonntag«.

Jan van Aken erwähnt allerdings nicht,dass keine Fluggesellschaft – weder Lufthansa noch Condor noch Ryanair – zurzeit eine Energie- oder auch Kerosinsteuer genannt abführt. Erhoben wird dafür für jeden von einem inländischen Flugplatz abfliegenden Fluggast eine Luftverkehrsteuer,die üblicherweise als sogenannte Ticketsteuer auf die Passagiere umgelegt wird. Dazu ist auch die Volkswagen AirService GmbH verpflichtet.

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Volkswagen spart mit einem anderen Trick: Würde das Unternehmen die Jets ausschließlich für Dienstreisen im Werkverkehr nutzen,müsste es Kerosinsteuern abführen. Die Volkswagen AirService GmbH aber ist als gewerblicher Anbieter von Passagierflugzeugen angemeldet,ihre Jets können für Charterflüge,auch von firmenexternen Personen,und eben auch für Flüge etwa nach Nizza oder Mallorca,gemietet werden. Damit ist sie wie die größeren Fluggesellschaften von der Energiesteuer befreit. Diesen Kniff hatten vor drei Jahren schon die »Süddeutsche Zeitung« und der NDR in einer gemeinsamen Recherche kritisiert.

abl